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Andermatt Swiss Alps

Die Rennaissance der Woldmanndli

Klong, klong, klong – Aus dem Wald bei Andermatt ertönt ein ohrenbetäubendes Scheppern und Glockenläuten. Nach und nach tauchen sonderbare, in Jutesäcke gehüllte Gestalten auf. Viele von ihnen tragen grosse Tryychlä (grosse blecherne Kuhglocken) in beiden Händen, die sie im Takt ihrer Schritte zum Scheppern bringen. Andere läuten mit kleineren Glocken oder blasen kräftig in die altertümlichen Bockähourä (Ziegenbockhörner). Die verschiedenen Geräusche vermischen sich zu einer ungewohnt rhythmischen Melodie, von der begleitet die Männchen aus dem Wald in das Dorf hineinziehen, wo sie mit grosser Freude von den Einwohnern Andermatts empfangen werden. Bei den sonderbaren Gestalten handelt es sich um die Woldmanndli (Wäldmännchen), die alljährlich um Punkt 13 Uhr am Chilbisamstag von Gurschenwald nach Andermatt ziehen. Dieses Jahr fällt der Chilbisamstag auf den 26. Oktober 2013, an dem wieder um Schlag eins die Woldmanndli in Jutesäcke gehüllt, mit schwarz geschminktem Gesicht und unter lautem Geschepper, aus dem Gurschenwald auf den Marktplatz von Andermatt wandern werden. Dort bekommt jeder von ihnen einen Teller Suppe vom Gemeindepräsident Roger Nager, der als Dank für die warme Mahlzeit ein Bockähourä überreicht bekommt.

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Die Wurzeln dieser Tradition liegen viele hundert Jahre zurück. 1397 wurde der Gurschenwald über Andermatt mit einem Bann belegt. Jegliche Nutzung und Rodung des Waldes wurde strengstens verboten, da dieser für Andermatt eine bedeutende Schutzfunktion vor Lawinen darstellte. Um sicherzustellen, dass niemand den Wald trotz Verbots nutzte, wurden Tagelöhner mit seiner Überwachung beauftragt. Diese verbrachten die Sommermonate auf der Alp im Gurschenwald, um Holzfrevel entdecken und melden zu können. Als Schutz vor der rauen Witterung trugen sie Kleidung aus Jute, zur Verständigung nutzten sie Ziegenbockhörner. Wenn mit dem Alpabtrieb alle Menschen und Tiere zurück ins Dorf gekehrt waren, war es auch für die Woldmanndli Zeit, ihre Posten zu verlassen und heimzukehren – immer am Chilbisamstag um Punkt 13.00 Uhr.

Die Tradition der Woldmanndli war schon fast in Vergessenheit geraten, als ein engagierter Bürger Andermatts, Willi Bomatter, vor über 40 Jahren beschloss, sie wieder aufleben zu lassen. Mittlerweile erlebt der jährliche Umzug der vermummten Waldmännchen eine Renaissance, letztes Jahr nahmen über hundert Menschen an dem Spektakel teil und mittlerweile stehen die Woldmanndli sogar auf der UNESCO-Liste der lebendigen Traditionen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes!

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Copyright Fotos: © perretfoto.ch

3 Kommentare

  1. Rast, Guido

    Wann findet jeweils der Chilbi-Samstag in Andermatt statt?

    • Andermatt Swiss Alps

      Grüezi Herr Rast
      Der Chilbi-Samstag in Andermatt ist jeweils der erste Samstag nach dem Namenstag der Heiligen Ursula (21. Oktober). Das heisst dieses Jahr war er am 25. Oktober (letzten Samstag).
      Liebe Grüsse
      Vanessa Kuhn

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