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Andermatt Swiss Alps

Hart erkämpfter Frühling

Dori Tarelli-Blunschi

Erfahrene Männer erbringen jedes Jahr Höchstleistungen, um den Gotthardpass nach der Wintersperre zu öffnen. Begeisterte Pässefahrer danken es ihnen.

Weltberühmter Alpenpass, jahrhundertealter Verkehrsweg, Mythos – viele romantische Vorstellungen verbinden sich mit dem Gotthard. Louis Baumann, Werner Gnos und Ambros Müller sehen den Übergang zwischen Uri und dem Tessin von Berufs wegen viel prosaischer: Sie sind zuständig dafür, dass der Weg von Göschenen auf 1‘111 m ü. M. über die Gotthardpasshöhe auf 2‘106 m ü. M. nach Airolo auf 1‘075 m ü. M. möglichst gut passierbar ist. Auf der ganzen Strecke bewegt sich der moderne Verkehr durch hoch alpines Gelände. Kein Wunder, dass da so mancher Automobilist selbst bei guten Wetter- und Strassenverhältnissen ins Schwitzen kommt. Nach spektakulärer Fahrt auf der Nordseite fordert auch die Strasse am Südhang des Passes mit unzähligen Kurven, 13 Brücken, einem Tunnel und einer langen Lawinengalerie die ganze Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer.

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Wie sehr sich die Passstrasse der Natur anpassen muss, zeigt sich erst recht im Winter. Dann muss die Strecke zwischen Hospental und Airolo jeweils gesperrt werden. Der Weg über den Gotthardpass wäre unmöglich freizuhalten und viel zu gefährlich, denn der Schnee liegt bis zu zehn Meter hoch und von allen Seiten gibt es Lawinenniedergänge. Natürlich steht dem motorisierten Verkehr seit 1980 die bequeme Nord-Süd-Route durch den Gotthardstrassentunnel zur Verfügung. Und doch können jeweils um Pfingsten Motorrad- und Autofans kaum mehr warten, die weltbekannten Gotthardpasskurven unter die Räder zu nehmen.

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Damit kommen wieder Louis Baumann, Werner Gnos, Ambros Müller und ihre wetterfesten Teams ins Spiel: Jeden Frühling erbringen sie während rund sieben Wochen Höchstleistungen, wenn es darum geht, die Gotthardpassstrasse sicher passierbar zu machen. Nachdem die Strassenmeister mittels GPS-Gerät und Spraydose den genauen Verlauf der unter dem Schnee verdeckten Strasse markiert haben, fährt die Fräse viele Male hin und her, bis rund 170 000 Tonnen Schnee Schicht für Schicht abgetragen sind und der Asphalt wieder zum Vorschein kommt. Danach muss lockeres Felsmaterial geräumt, die Strasse gereinigt und die Leitplanken sowie Signalisationen wieder montiert werden. Beidseits des Passes gibt es exponierte, lawinengefährdete Stellen, die besondere Vorsicht erfordern – bei der Räumarbeit und vor allem auch mit Blick auf die sehnsüchtig wartenden Passfahrerinnen und -fahrer. Erst wenn alles gesichert und abschliessend kontrolliert ist, heisst es: Willkommen Frühling, der Pass ist offen – vorerst noch mit imposanten Schneemauern links und rechts der Strasse.

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Zahlen und Fakten zur Passöffnung

Wintersperre:  von Hospental bis Airolo (24 km), im Zeitraum November bis Mai

Teams Passöffnung: zweimal rund 8 Personen

Ressourcen: 7 Schneefräsen, 3 Universal-Motorgeräte, 1 Pneulader, 1 LKW

Zeitaufwand: rund 7 Wochen

Kosten: rund 400 000 Franken pro Jahr

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