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Andermatt Swiss Alps

Für Gletscher gilt: schön cool bleiben!

Der Sommer hat Einzug gehalten, und dabei schwitzen nicht nur wir, sondern auch die Gletscher in den Alpen. Jedes Jahr misst man in der Schweiz ein weiteres Zurückschmelzen – oder eben Schwitzen – der Gletscher. Am Gemsstock – auf dem Gurschengletscher – wird seit ein paar Jahren dagegen angekämpft. Im Zentrum steht dabei, dass der Gletscher im Frühjahr mit einem Spezialvlies abgedeckt wird.

Abgang Nord, 2014_blog

Nach der Skisaison wird der Schnee von der Gurschenalp auf den Gletscher gestossen, das so genannte „Snow Farming“. Dadurch erhält der Gletscher eine erste isolierende Schicht, die ihn monatelang kühl hält. Anschliessend werden schwere Vliesrollen für die Abdeckung aus ihrem Winterlager im Gurschen auf den Gemsstock transportiert. Die Abdeckung des Gletschers mit dem Vlies ist Knochenarbeit. Ein Team von acht bis zehn Männern arbeitet in der extremen Hanglage und deckt rund eine Hektare des Gletschers ab. Hinzu kommt, dass die Wetterlage bei der Montage des Vlieses absolut windstill und trocken sein muss, sonst reicht die Kraft nicht aus, das Vlies zu halten. Es wird am oberen Ende des Gletschers mit einem Stahlseil befestigt und zusätzlich mit Sandsäcken beschwert.

Vlies Montage 2014_blog

Die Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) der ETH begleitete im Sinne eines wissenschaftlichen Versuchs die „Verpackungskunst“ am Andermatter Gletscher. Die Zwischenresultate sind ermutigend. Das Vlies wirkt und hat verhindert, dass das Eis weiterhin in der Sonne schmilzt. Nur 30 Zentimeter Gletschermasse ist unter der Abdeckung geschmolzen. Auf einer Vergleichsfläche hatten die ETH-Forscher satte 150 Zentimeter gemessen.

Abgang Nord Nähmaschine blog

Rechtzeitig vor dem nächsten Wintereinbruch wird das Vlies wieder entfernt. Bevor zu viel Schnee gefallen ist, werden die schützenden Bahnen zusammengerollt und mit dem Helikopter ins Winterlager auf der Gurschenalp geflogen. Die Vliesbahnen werden so gut wie‘s geht getrocknet, um dann ein gutes halbes Jahr später wieder ihren Dienst am Gletscher anzutreten.

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